Untendrunter gut gekleidet
Unterwäsche war lange Zeit Privatsache. Zu sehen bekam die höchsten der Partner, ab und zu der Arzt oder die Nachbarn, frisch gereinigt, auf der Wäscheleine hängend. Damit erschöpfte sich die Möglichkeit, seine Unterkleidung vorzuführen recht schnell und damit auch das Bedürfnis, modisch immer auf dem aktuellsten Stand zu sein.
Mittlerweile hat sich das grundlegend geändert. Die Unterwäsche ist wie jedes andere Kleidungsstück Teil der Modeindustrie geworden. Saisonal legen die Hersteller neue Kollektionen auf und bewerben diese mit viel Aufwand. Gern werden dafür Prominente eingesetzt, die ihre wohlgeformten Körper in den neuesten Kreationen der Unterwäsche-Designer in Szene setzen: Wer erinnert sich nicht an den Auftritt von Til Schweiger für Skiny (eine Marke von Schiesser) 2004 oder die Promiserie von Mey, für die sich unter anderem Erfolgsbuchautor Frank Schätzing, Schauspielerin Cosma Shiva Hagen oder Scorpions-Gitarrist Rudolf Schenker in edler Unterwäsche ablichten ließen. Für eine jüngere Zielgruppe hüllte sich die ehemalige Bravo TV-Moderatorin Collien Fernandes in Dessous der Marke BeeDees von Triumph.
Im deutschen Sprachraum steht das französische Wort, das nichts anderes als „unteres“ bedeutet, für die gehobenen und häufig aufwändig verzierten Wäschestücke, „Unterwäsche“ für Alltagsunterkleidung. Eine exakte Trennlinie zwischen Unterwäsche und Dessous lässt sich jedoch nicht ziehen. Wie in nahezu überall gibt es Billiganbieter und preisintensivere Markenprodukte. Unterschiede lassen sich in Design, Verarbeitung, Haltbarkeit und Tragekomfort ausmachen. In letzter Zeit hat der Bio-Trend auch die Dessous-Branche erreicht, vermehrt fragen Kunden „Ökodessous“ nach, für deren Herstellung u.a. biologisch angebaute Baumwolle verwendet und die mit umwelttechnisch unbedenklichen Farbstoffen gefärbt wurden.
Neben den großen Marken, die den (exklusiven) Massengeschmack bedienen, existieren zahllose Klein- und Kleinstlabel, die ihre eigenen Kollektionen entwerfen und oft auch noch eigenhändig schneidern. Verkauft werden Dessous meist in eigens dafür eingerichteten Boutiquen, in zunehmendem Maße aber auch im Internet. Die Online-Geschäften haben dabei den Vorteil, ein wesentlich breiteres Sortiment anbieten zu können, in Boutiquen hingegen lässt sich das gute Stück direkt anprobieren. Welcher BH, welche Corsage oder welch Negligé das Herz der Käuferin erobert, ist dabei in erster Linie Geschmackssache. Betrachtet man sich nämlich die aktuellen Dessouskollektionen dieses Jahres, so ist kein eindeutiger Trend festzustellen. Während die einen Hersteller auf eher schlichte Modelle in weiß und grau setzen, bevorzugen die anderen knallige Farben, dritte bringen verspielte Dessous im Bourlesque-Stil auf die Laufstege. Mit anderen Worten: Frau kann tragen, was ihr gefällt! Und so sollte es auch sein, denn die Wahl der Unterwäsche ist in erster Linie Privatsache.
